Hier shooten Aschaffenburger Fotografen am liebsten Teil IV

Im vierten und letzten Teil geben Manuel Kunkel Fotografie, Newcomerin Störtebeker Photography und Analog-Fotograf Georg Schmidt Photography Tipps zum Fotografieren in Aschaffenburg. Wenn ihr mehr Lesefutter sucht, schaut mal, was andere Lokal-Fotografen zu sagen haben:

Teil 1: blendstufe.de, art obscura photography und Timo Raab Fotografie
Teil 2: Martin Kühn Fotogafie, Julia Knörzer Photography und Alexander Staab Photography
Teil 3: Etzer.de, Silke Hufnagel Fotografie sowie Katja und Bernd Hofmann von linsengerecht.de

 

„Ein Fotograf lernt, mit der Zeit Dinge zu sehen, die vorher vielleicht im Verborgenen lagen.“
Manuel Kunkel

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„Aschaffenburg ist voller schöner Plätze und sehr facettenreich. Da ich hauptsächlich diese Stadt aufsuche, um dort zu arbeiten, ist es sehr abhängig davon, welche Bilder ich erstellen möchte.
Einer der schönsten Plätze, die ich bisher gesehen habe, ist das alte Militärgelände, das mittlerweile leider abgerissen wurde. Dort gefiel mir das Gefühl der Einsamkeit und die vergessenen Gebäude.

Im Grunde ist es wichtig, dass die Location zur Bildsprache passt. Was aber meiner Meinung nach viel wichtiger ist, ist die Stimmung zwischen Fotograf und der Person, die fotografiert wird.
Kommt dann noch der das passende Licht und das Gespür für den richtigen Moment dazu, erhält man Portraits mit Authentizität.

Mein Tipp: Fotografieren! Immer wieder fotografieren! Denn nur so lernt man sich, seine Ausrüstung und das Licht kennen!
Ein Fotograf lernt, mit der Zeit Dinge zu sehen, die vorher vielleicht im Verborgenen lagen. Wenn man seine Augen schult, diese Dinge sieht, dann ist das „gute“ Bild schon im Kasten.
Ich würde jedem raten, die Kamera über einen festen Zeitraum mit lediglich einem Objektiv (möglichst eine Festbrennweite) zu nutzen. Einen größeren Lerneffekt kann man nicht erreichen.

Mich inspiriert Musik und der Augenblick!
Meist ist es der Moment, der Blick durch den Sucher, der die Ideen bringt. Meine Ergebnisse spiegeln deswegen oft spontane Momente wieder.
Außerdem sehe ich mir immer wieder Bilder von anderen Fotografen (Steffen Böttcher, Katja Kuhl und Paul Ripke – um ein paar einzelne zu nennen) an und versuche herauszufinden, warum mir ein Bild gefällt. Hier lässt eine längerer Betrachtung oft sehr viel Informationen zum Vorschein kommen.

Aschaffenburg bedeutet für mich die Möglichkeit, facettenreiche Plätze zum Fotografieren in Wohnortnähe zu haben sowie ein Netzwerk voller Fotografen, die weiterhelfen können. Außerdem großartige Modelle und viele Brautpaare, die mir bereits ihr Vertrauen geschenkt haben.“

 

manuelkunkel-Amy auf dem Militaergelaende©Manuel Kunkel: Model Amy auf dem Militärgelände & dem Parkhaus-Dach

manuelkunkel-Amy auf dem Parkhausdach in Aschaffenburg

 

„Fotografie eröffnet mir die Möglichkeit, das Vergangene festzuhalten.“ 
Georg Schmidt
Georg Schmidt Fotograf aus Aschaffenburg analog 6x7 Trix 400 Film

„Nach 14 Jahren beruflichen Auslandsaufenthalten in den verschiedenen Metropolen Europas von Moskau bis nach Paris, haben meine Familie und ich das beschauliche Aschaffenburg schätzen und lieben gelernt. Aschaffenburg bietet mit seinen Seen, der Altstadt, dem Mainufer und den Parkanlagen zahlreiche Möglichkeiten, dieses Umfeld in eine überlegte Bildsprache wunderbar einzubinden.

Mein fotografischer Schwerpunkt liegt in den verschiedenen Bereichen der Menschenfotografie, welche ich ausnahmslos analog im Mittel -oder Großformat erstelle. Die Filme entwickle ich selbst, bis hin zum Abzug und der finalen Rahmengestaltung.

Analog zu fotografieren, ist eben auch eine bewusste ästhetische Entscheidung. Nicht mehr und nicht weniger.

Vielleicht erfährt die analoge Fotografie in den letzen Jahren gerade deshalb einen so großen Zuspruch von jungen Nachwuchsfotografen zwischen 15 – 35 Jahren, weil es als inspirierendes und experimentelles Medium zum Ausdrücken ihrer Kreativität gesehen wird.

Analoge Fotografie diszipliniert dazu, sich im Vorfeld genau zu überlegen, ob es dieses Bild wirklich verdient, gemacht zu werden. Filme (35 mm) sind relativ günstig, aber eben nur relativ, wenn das Ergebnis zu wünschen übrig lässt.

Die Entwicklungskosten in Drogeriemärkten aber auch, wenn diese selbst durchgeführt werden, sind sehr gering. Eine 35mm Kleinbildkamera lässt sich schon für 50 – 80 Euro mit einem 50mm Objektiv erwerben. Das ist aus meiner Sicht  ein guter Einstieg, um mit der analogen Fotografie zu beginnen.

Ein Bild erstellt mit einer über 40 Jahren alten Großformatkamera und einem nahezu ebenso alten Objektiv, gedruckt auf Hahnemühle Barytapapier, entfaltet eine eigene und manchmal sehr berührende Sogwirkung auf den Betrachter. Fotografie eröffnet mir die Möglichkeit, das Vergangene festzuhalten und manchmal einen kleinen Blick dabei in die Zukunft werfen zu können.

Mir persönlich gefällt zur Blütezeit besonderes der weitläufige Bereich um das Pompejanum und den Frühstückstempel. Ideen für Bilder gewinne ich oft bei Museumsbesuchen, Vernissagen und den Gemälden alter Meister.

Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause. (Novalis, 77 – 80)
Und das verbinde ich für mich und meine Familie mit Aschaffenburg.“

Georg Schmidt Fotograf aus Aschaffenburg-Pompejanum Pentax 6x7 Trix 400©Georg Schmidt: Pompejanum (Pentax 6×7)

Georg Schmidt Fotograf aus Aschaffenburg-Schoenbusch Pentax 6x7 Trix 400 ©Georg Schmidt: im Schönbusch (Pentax 6×7)

 

„In fremden Städten geht man mit einem viel wacheren Blick durch die Straßen.“
Kathrin Dörrbecker
stoertebeker

„Aschaffenburg bedeutet für mich ankommen, mich wohlfühlen, Heimat und Vertrautheit. Gerade deshalb ist es für mich auch extrem schwierig, Fotos von der Stadt zu machen, da hier das Besondere schon so gewöhnlich ist.
In fremden Städten geht man mit einem viel wacheren Blick durch die Straßen. Allerdings nimmt man dort auch häufig Sehenswürdigkeiten vor die Linse, die ich hier in Aschaffenburg bewusst zu vermeiden suche, da es z.B. schon so viele Bilder von Schloß, Pompejanum, Schönbusch etc. gibt. Wenn allerdings das Licht oder der Himmel besonders ist oder es ein ansprechendes Farbspiel gibt, dann geraten mir auch diese Motive vor die Linse.

Die belebte Innenstadt, die engen Gassen der Altstadt oder aber auch der Leiderer Hafen und bunte Wände gefallen mir in Aschaffenburg am besten, um Bilder zu machen. Egal ob für kleine Details oder als Hintergrund für Portraits. Aber ich muss zugeben, dass ich mich in der Heimatstadt noch etwas mehr herumtreiben muss.

Beeinflusst werde ich mit Sicherheit von Bildern aus dem Netz, aber auch von einem Blick, der vom „geradeaus Schauen“ abweicht. Das wäre auch mein Tipp: Den Blick schweifen lassen, Licht beobachten, nicht immer nur nach vorne gucken, sondern auch nach oben oder zur Seite und ungewöhnliche Perspektiven einnehmen, auch wenn andere Leute komisch gucken.

Den Teilnehmern am Fotomarathon wünsche ich in erster Linie ganz viel Spaß, gute Erfahrungen und viel Erfolg!“

stoertebeker-lady

stoertebecker-schoental©Störtebeker